-
Stadtgeschichten
Stadtgeschichten

Zum einhundertsten Todestag des Albstädter „Indiana Jones“ Hieronymus Edelmann


Ansicht Edelmanns aus dem Notizbuch Skizzen und Zeichnungen

Anlässlich des einhundertsten Todestages Hieronymus Edelmanns (1853-1922) veröffentlicht das Stadtarchiv das humoristische Gedicht „Zollern Fahrt“ des hauptberuflichen Apothekers, der durch seine Ausgrabungen in der Albstädter Region und im Raum Sigmaringen internationale Berühmtheit erlangte. Das Gedicht aus dem Jahr 1880 trägt die Signatur StA ALB C 10 Nr. 19 und gehört zum Teilnachlass Hieronymus Edelmanns, der durch das Stadtarchiv verwahrt und für das interessierte Publikum nutzbar gemacht wird.

Heutzutage kann die museale Sammlung des Archäologen und Forschers im weltberühmten British Museum in London bestaunt werden. Edelmann wurde als Sohn des Hirschwirtes in Schalkstetten bei Ulm geboren und besuchte das humanistische Gymnasium der Donaumetropole. 1877 legte er das pharmazeutische Staatsexamen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ab und ließ sich kurz darauf in Ebingen nieder, wo er die Untere Apotheke in der heutigen Marktstraße 11 bezog. Nach fünfzehnjähriger Tätigkeit verkaufte der begeisterte Wanderer und Naturfreund Edelmann seine Apotheke 1894 an Karl Häffner, um nach Sigmaringen überzusiedeln.

1908 veräußerte Edelmann seine atemberaubende Sammlung an die beiden Briten Sir John Brunner und Sir Henry Howorth, die diese wiederum dem British Museum stifteten. Die Sammlung vereinigt 538 Objekte, die Edelmann u. a. im Donautal, im Talgang bei Truchtelfingen und auf der Albhochfläche – unter anderem auf dem Degerfeld – ausgrub. Auch auf dem Ebinger Schlossfelsen betrieb der schwäbische „Indiana Jones“ im Jahr 1891 seine Nachforschungen.

Die Funde stammen aus der Jungsteinzeit, der Antike sowie dem Frühmittelalter und versammeln u. a. Artefakte keltischer, römischer, alemannischer und merowingischer Provenienz. Ein bronzezeitlicher Ring aus der Sammlung Edelmann ist im Albstädter Museum im Kräuterkasten zu bestaunen. Das Museum wird vom ehemaligen Lehrer, Archäologen und Historiker Jürgen Scheff betreut, der damit auf den Spuren Edelmanns wandelt und dem Stadtarchiv den herausragenden Teilnachlass Edelmanns übergab.

Der Albstädter „Indiana Jones“ kehrte während des Ersten Weltkrieges im Jahr 1916 nach München zurück, wo er im August 1921 im Zuge eines Straßenbahnunfalls ein Bein verlor und am 16. Juni 1922 an einer Lungenembolie verstarb.

Edelmann war ein Autodidakt und zeichnete sich nicht nur durch ein riesiges Wissen und eine gehörige Portion Neugier aus, sondern besaß darüber hinaus eine zeichnerische Begabung, die ihm das Aufnehmen der Fundorte und der jeweiligen Fundumstände erleichterte.

Inhaltlich wird in dem besagten „Zollern Fahrt“-Gedicht, das eine Reminiszenz an einen sommerlichen Ausflug vom 22. Juli 1880 darstellt, auf eine heitere Kutschfahrt durch den Talgang zur Burg Hohenzollern eingegangen, in deren Verlauf sich u. a. ein kleines Unglück in Onstmettingen ereignete. Auf Seite 2 heißt es:

„Doch wie man kam nach Onstmetting

da änderte sich rasch das Ding

Am Wirthshaus bog man um ein Eck

Plumps lagen beide Pferd im Dreck.

[…] Doch ging man darauf in’s Wirthshaus

Und trank den Schrecken wieder raus.

Entzwischen bracht‘ als practischer Mann

Der Doctor alles wieder in die rechte Bahn.“

 

Veranschaulicht wurde diese Episode wiederum durch eine hübsche Illustration der zu Boden stürzenden Pferde, was den Humor Edelmanns unterstreicht. Zwar lässt der Apotheker offen, wer die Illustrationen zum Gedicht anfertigte, doch weisen diese andererseits eine hohe Ähnlichkeit zu den Edelmann’schen Zeichnungen in dessen Tagebuch auf.

Der Findbucheintrag stellt sozusagen eine Inhaltsübersicht des Teilnachlasses dar und gibt überblicksartig sämtliche Archivalien wieder.

Das Stadtarchiv strebt mittelfristig an, interessierten Nutzern Teile des Edelmann-Nachlasses im Zuge einer Digitalisierung zugänglich zu machen, um durch die Partizipation am digitalen Wandel nutzerfreundlicher aufzutreten und das geschichtliche Interesse der Albstädter Stadtgesellschaft anzuregen. Die Ziele des Stadtarchivs bestehen einerseits darin, Forschungen zu Hieronymus Edelmann und seinen bahnbrechenden archäologischen Ausgrabungen anzuregen und andererseits Interesse hinsichtlich der historischen Bestände der kommunalen Kultureinrichtung zu wecken.