Albstadt - Stadtteil Ebingen

Ebingen hat heute rund 18.500 Einwohner. Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde Ebingen im Jahre 793 urkundlich erwähnt. Der Ort ist allerdings mit Sicherheit wesentlich älter. Wie gemeinhin bekannt, werden die Siedlungen auf -ingen als alemannische Gründungen angesehen. In der Zeit um 259/260 n.Chr. endete die Herrschaft der Römer in Südwestdeutschland - die Alemannen traten an ihre Stelle und machten sich daran, das Land zu besiedeln.

Natürlich ließen sie sich zunächst in Gegenden mit besonders mildem Klima nieder. So bald aber solche Landstriche besetzt waren, kamen die etwas weniger "lieblichen" Regionen zur Besiedlung an die Reihe, und dazu wäre auch die Rauhe Alb zu zählen.
Solchermaßen dürfte die Gründung Ebingens im 4. oder 5. Jahrhundert n.Chr. stattgefunden haben.

Bedingt durch seine verkehrsmäßig nicht vollkommen ungünstige geographische Lage wird Ebingen wahrscheinlich schon bald etwas größer geworden sein als andere alemannische Dörfer der Umgebung, denn einerseits ist durch die Schmiecha die Anbindung an das Donautal gegeben, wie auch andererseits über die nahe gelegene Eyach der Zugang zum Neckartal ermöglicht wird. Auf diese Weise entwickelte sich Ebingen während des Früh- und Hochmittelalters zum Zentralort der näheren Umgebung. Diese Funktion zeichnet sich auch im kirchlichen Bereich ab, denn seit dem 7. oder 8. Jahrhundert wurde Ebingen Sitz des gleichnamigen Landkapitels (moderne Bezeichnung: Dekanat).

Auf die Bedeutung Ebingens als wirtschaftliches und kirchliches Nahzentrum ist es wohl zurückzuführen, dass die Grafen von Hohenberg den Ort um 1260 zur Stadt erhoben, ihr eine eigenes Wappen verliehen und sie mit einem besonderen Stadtrecht versahen. Eine Stadterhebungs-Urkunde ist uns nicht erhalten; der früheste schriftliche Hinweis auf Ebingens Status als Stadt geht aber auf das Jahr 1285 zurück.

Ein knappes Jahrhundert später, nämlich 1367, kam Ebingen an das Haus Württemberg, und zwar zunächst als Pfand; 1468 wurde die Stadt als württembergischer Besitz endgültig bestätigt. Alsbald erwarb sich Ebingen den Rang einer württembergischen Amtsstadt - mit gewissen Einschränkungen allerdings. Die Kommune hatte zwar einen Amtmann und war außerdem auf dem Stuttgarter Landtag vertreten, verfügte aber über keinen nennenswerten Amtsbezirk, denn lediglich die benachbarten Ansiedlungen Ehestetten und Bitz standen unter Ebinger Botmäßigkeit.

Gegen Ende des Mittelalters nahm die Ebinger Bevölkerung in einem derartigen Ausmaß zu, dass die Bewohner innerhalb der Stadtmauern keinen Platz mehr fanden. So entstanden im 15. Jahrhundert die Obere und die Untere Vorstadt.

Nach dem 30-jährigen Krieg beginnt sich in Ebingen eine spezifische wirtschaftliche Besonderheit abzuzeichnen, nämlich eine deutliche Zunahme handwerklicher Berufe auf dem Textilsektor. So finden wir 1664 nicht mehr als 15 Weber; bis 1788 hatte sich deren Zahl jedoch verdoppelt; außerdem waren 53 Strumpfwirker, 77 Zeugmacher und 20 Bortenwirker hinzugekommen. Eine solche frühe Ausrichtung auf den Textilbereich wirkte sich nachhaltig auf die Industrialisierung in Ebingen aus. Deren erste Anfänge liegen im Wirken des Textilfabikanten Johannes Mauthe, genannt Löwen-Mauthe, der 1834 die erste Dampfmaschine und 1836 den ersten Rundwirkstuhl nach Ebingen brachte.

Der große Durchbruch kam allerdings erst in den 1870-er Jahren (Eisenbahn-Anschluss 1878). Neben der Herstellung von Trikotwaren kam in Ebingen der Produktion von Samt und Manchesterstoffen eine größere Bedeutung zu, darüber hinaus spielten eine maßgebliche Rolle der Waagenbau wie auch die Erzeugung von Nadeln (Theodor Groz, heute Groz-Beckert). Die allgemeine wirtschaftliche Aufwärtsbewegung bewirkte eine gewaltige Bevölkerungszunahme. Hatte die Stadt 1820 noch 4126 Einwohner, so waren es 1871 bereits 5029, 1895 dann 7600 und 1910 schließlich 11423.

Der Erste Weltkrieg beeinträchtigte die Ebinger Wirtschaft nur vorübergehend; der Mangel an Rohstoffen und Lebensmitteln erzeugte aber bei der Arbeiterschaft großen Unmut. Weniger rabiat freilich reagierten die Ebinger auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die Bürger legten keinen sichtbaren Widerstand an den Tag, als Kommunisten und Gewerkschaftler verschwanden, als die wenigen Ebinger Juden vertrieben wurden, als Vereine und Parteien sich zur Auflösung bewegen ließen. Als einer der wenigen aufrechten kann der Fabrikant Dr. Fritz Haux gelten, der unerschrocken für die Liberalen eintrat und deswegen zeitweise im Gefängnis saß.

Der zweite Weltkrieg brachte mehr als 1600 Zwangsarbeiter in die Stadt, die Hälfte davon Russen. Der Krieg selbst kam erst am 11. Juli 1944 in Gestalt eines Bombenangriffs nach Ebingen, wobei 61 Menschen ums Leben kamen und im Stadtzentrum 37 Häuser zerstört wurden.

Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit ließ die Bevölkerung Ebingens weiter ansteigen, so dass 1956 die Zahl 20.000 erreicht wurde, was bedeutete, dass Ebingen fortan den Titel einer "Großen Kreisstadt" führen durfte; der Bürgermeister wurde analog dazu zum Oberbürgermeister. Für die neu hinzu gekommenen Menschen musste Wohnraum bereit gestellt werden; es mussten neue Schulen gebaut (Schalksburgschule 1957) bzw. erweitert werden; 1956 entstand ein repräsentatives Hallenbad. Damit sind einige herausragende Leistungen des (Ober-)Bürgermeisters Walther Groz (1948-1960) beim Namen genannt.

Nach dieser Aufbauphase setzte unter dessen Nachfolger Dr. Hans Hoss (1961-1975) die Konsolidierungsphase ein. In dieser Zeit entstand die Umgehungsstraße (B 463), das Berufsschulzentrum, das Gymnasium, der Krankenhaus-Neubau.

Mit der Gründung von Albstadt 1975 beginnt ein neuer Abschnitt in der städtischen Geschichte: Siehe weiter bei "Albstadt".

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