Albstadt - Städtische Galerie - Vergangene Sonderausstellungen
JEANNE MAMMEN - DIE NEUE FRAU

18. März bis 17. Juni 2007


Jeanne Mammen (1890 – 1976) gehört bis heute zu den wichtigsten deutschen Künstlerinnen. In den Zwanziger Jahren erobert sie mit ihren Großstadttypen die deutsche Metropole.
Immer wiederkehrendes Sujet ist die „neue“ Frau als Inbegriff des selbstbewussten mondänen Frauentypus’: von der Femme Fatale der symbolistischen Blätter, über die schön gekleidete Frau in den Modezeichnungen, dem Vamp in verruchten Etablissements, bis hin zur lesbischen Verführerin.
 

„Muse“, um 1908–1914,
Jeanne-Mammen-Stiftung, Berlin

  Erotik, Tod und Teufel -
Das symbolistische Frühwerk

Mit dem symbolistischen Frühwerk beginnt die Ausstellung.
Beeinflusst von ihrer Vorliebe zur französischen Literatur und den franco-belgischen Symbolisten versetzt Jeanne Mammen die Frau in schillernde rätselhaft-phantastische Welten und verarbeitet Themen der europäischen Literatur.


Seidenstrumpf und Bubikopf – Modezeichnungen der Zwanziger Jahre

Jeanne Mammens Illustrationen für die Modewelt begeistern die Haute Couture und zieren die berühmtesten Modezeitschriften Europas wie „Die schöne Frau“ oder „Der Junggeselle“

Goldfischfang, um 1925
Förderverein der Jeanne-Mammen-Stiftung e.V., Berlin
Capekostüm von V. Manheimer um 1924, Förderverein der Jeanne-Mammen-Stiftung e.V., Berlin
Gesellschaftskleid von Heer
Förderverein der Jeanne-Mammen-Stiftung e.V., Berlin

Von Nachtschwärmern und Tagträumern

Berliner Café
(Im Romanischen Café), um 1930
Galerie Albstadt

  „Wir sitzen süß und doof ohne Portemonnaie
Vor unsern leeren Gläsern im Stammcafé.
Mittags von Punkt zwölf Uhr
Bis abends um Punkt zwölf Uhr:
Verkehrsinseln in dem Meere der Literatur.
Schriftsteller rings im Kreise, von Brecht bis Kisch –
Mancher benutzt uns episch am Nebentisch.
Das ist fürs Portemonnaie nicht viel wert,
Aber fürs Renommee unerhört.“


Aus: Jürgen Schebera, Damals im Romanischen Café. Künstler und ihre Lokale im Berlin der Zwanziger Jahre, Braunschweig 1990.


In ihren Aquarellen der Zwanziger Jahre erfasst Jeanne Mammen mit analytischem Blick den zynisch- materialistischen Habitus ihrer großstädtischen Umgebung und hält diesen mit präziser Schärfe fest. Dem steht die Ausgelassenheit der nächtlichen Berliner Halbwelt entgegen. Der mondänen Diva, der frivolen, selbstbewussten Garçonne bis hin zum erschöpften Revuegirl – ihnen gehört Jeanne Mammens Sympathie.

Aschermittwoch
um 1926, Privatbesitz
Sie repräsentiert
um 1928, Privatbesitz


Die Lieder der Bilitis –
Eine Hommage an die lesbische Liebe

Um 1930 gibt der international angesehene Berliner Kunsthändler und Galerist Fritz Gurlitt Jeanne Mammen den Auftrag, die „Lieder der Bilitis“ von Pierre Louÿs (1870-1925) zu illustrieren. Neben Marquis de Sade gehört Louÿs zu den berühmtesten Meistern der erotischen Literatur Frankreichs. Der weibliche Blick der Künstlerin führt zu einer zarten Hommage an die lesbische Liebe.

 
Eifersucht
um 1930 – 1932
Förderverein der Jeanne-Mammen-Stiftung e.V., Berlin


"Kann nicht mehr liefern. Bin anderweitig beschäftigt."

Weltwirtschaftskrise und Machtübernahme der Nationalsozialisten zerstören zum zweiten Mal die Existenz der Künstlerin. In Abgrenzung zum offiziellen Kunstbetrieb wendet Jeanne Mammen sich der Abstraktion zu. Ihren bisherigen Auftraggebern, den verschiedenen Redaktionen, sendet sie die knappe Mitteilung: „Kann nicht mehr liefern. Bin anderweitig beschäftigt."

 
Jeanne Mammen, 1975

Entwurf einer Schülerin

  Alter Schnitt – neuer Look

In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Städtischen Galerie fertigten Schülerinnen der Privaten Modeschule Albstadt Modelle und Accessoires im Stil der Zwanziger Jahre an. Spielerisch integrieren sich die Objekte als eigenständige Kunstwerke in die Ausstellung.

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