Vergangene Sonderausstellungen - Otto Dix - Krieg und Passion

25. Januar bis 19. April 2015

OTTO DIX  I  Krieg und Passion

Eröffnung: Sonntag, 25. Januar 2015, 15 Uhr im Rahmen der öffentlichen Sonntagsführung

Im Gedenken an den Ausbruch des Großen Krieges vor 100 Jahren zeigt die Galerie Albstadt Zeichnungen, Gouachen und Radierungen von Otto Dix zum Thema Krieg. Der kostbare, nur für begrenzte Zeit öffentlich zugängliche Bestand gilt weltweit als eine der bedeutendsten Sammlungen mit Arbeiten auf Papier des Künstlers. Dazu zählen neben einem umfangreichen Konvolut von Zeichnungen, in denen Dix auf die bizarre ‚Physiognomie‘ der von Granattrichtern und Schützengräben gezeichneten Landschaft reagiert, auch das Kriegsnotizbuch von 1915-16 und die farbglühenden Gouachen aus den Jahren 1917 und 1918, darunter ‚Leuchtkugel‘ und ‚Abendsonne (Ypern)‘, die aus konservatorischen Gründen außerhalb des Museums nicht mehr gezeigt werden können.

Nach einem Dada-Zwischenspiel wendet sich Otto Dix 1924, zehn Jahre nach Ausbruch des Großen Kriegs, im Rahmen der Kriegsthematik wieder dem Bild des Menschen zu: grauenhaft entstellt und zerstört durch die Maschinerie des Krieges. Dix‘ monumentales Radierwerk ‚Der Krieg‘ zählt zur Weltkunst in diesem Themen-kreis. In neuer, erweiterter Auswahl zeigt die Galerie Albstadt zahlreiche der im Vorfeld entstandenen Vorzeichnungen zur Kriegsmappe aus der Sammlung Walther Groz. Dix‘ Arbeit am Dresdner Kriegstriptychon 1929-32 ist in der Albstädter Sammlung durch zwei Vorzeichnungen dokumentiert.

Nach 1933 erscheinen zunehmend Motive der Passion in Dix‘ Werk – Themen, mit denen er sich 1913/14 schon vor dem Großen Krieg befasst hatte. Noch 1945 zum Volkssturm eingezogen, stellt Dix nach dem Zweiten Weltkrieg, nach seiner Rückkehr aus Krieg und französischer Kriegsgefangenschaft, die Frage nach menschlichem Leid durch Krieg und Gewalt noch einmal neu. Seine Pastelle zur Passion aus den Jahren 1946-48 gehören mit zum Besten im Werk des späteren Dix. 

 

Laufzeit der Ausstellung: 6. Dezember 2014 bis 19. April 2015

Eröffnung am 6. Dezember um 18.30 Uhr WOZU SIND KRIEGE DA? – Singen gegen den Krieg

Eröffnung der Ausstellung „Krieg zeichnen“ mit der Gesangsklasse Lisa Livingston 
der Musik- und Kunstschule Albstadt und Wolfgang Brandner, Klavier

Auf beiden Seiten der Front standen auch Künstler im Schützengraben. Das Zeichnen begleitete sie auf verschiedenste Weise im Kriegsalltag, teils offiziell als Kriegszeichner oder Tarnspezialisten, teils als persönliche Strategie, um in dem Grauen des Kriegsalltags ein Stück Menschenwürde zu bewahren. Die Ausstellung lenkt den Blick auch auf Künstler, die aus deutscher Sicht auf der anderen Seite der Front standen: Gus Bofa, Chas Laborde, Emile Labourer, Charles Martin und André Dunoyer de Segonzac.  Abseits der Front zeichneten die einen (zum Teil nach der eigenen Erfahrung des Grauens an der Front) für Zeitschriften satirische Kommentare zum Krieg, während andere wie Frans Masereel mit seinen kritischen Zinkographien für La Feuille von Genf aus über die Presse gegen den Krieg agierte. Bis heute ist das Zeichnen eine Form der Annäherung an die unmenschliche ‚Maschine Krieg‘, die doch von Menschen gemacht wird. Internationale Graphic Novel-Künstler nähern sich als Nachgeborene dem Großen Krieg und lassen Recherchiertes, Erzählungen von Großeltern oder Erich Maria Remarques Roman ‚Im Westen nichts Neues‘ (1929) in Bildern lebendig werden. Mit Jacques Tardi ist einer der bedeutendsten Comic-Künstler der Gegenwart mit Originalzeichnungen vertreten. Peter Eickmeyers Edition von Remarques ‚Im Westen nichts Neues‘ hat mit ihrem Erscheinen im Mai 2014 viel Aufsehen erregt. Auch von ihm sind Originalzeichnungen zu sehen. Reinhard Kleist ist mit seinen Illustrationen zu „1914 – Ein Maler zieht in den Krieg“ dem Schicksal von Franz Marc nachgegangen. Und Joe Sacco hat die Schlacht an der Somme am 1. Juli 1916 in einem riesigen Panorama verfolgt – ein moderner Teppich von Bayeux. All diese Künstler versuchen mit dem Zeichenstift zu begreifen, wozu Menschen im Krieg fähig sind und was der Krieg mit den Menschen macht – und allen ist bewusst, dass sie mit dem Ersten Weltkrieg nicht nur ein historisches Ereignis vor 100 Jahren beschreiben.

Sonntag, 7. Dezember 2014,15 Uhr 
KRIEG ZEICHNEN. Von der Reportage zur Graphic Novel
Kuratorenführung zur Eröffnung mit Dr.Veronika Mertens

 
Gus Bofa, 
Les joies du retour für La Baionette, 2.1.1919
Peter Eickmeyer,
Im Westen nichts Neues, 
2013-2014
Reinhard Kleist, aus- 1914 - Ein Maler zieht in den Krieg, 2014  Chas Laborde, aus der Radierfolge- École de Patience mit Szenen von der Front, 1915
       
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