Landschaftsbild der Schwäbischen Alb
Die Frühjahrs-Auswahl aus der reichhaltigen
Spezialsammlung zum Landschaftsbild der Schwäbischen Alb, initiiert
von Alfred Hagenlocher, dem Gründungsdirektor der Galerie Albstadt,
und 1980 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, widmet sich
diesmal dem Thema Farbe in der künstlerischen Auseinandersetzung
mit der Alblandschaft.
Die frühesten Arbeiten, darunter Werke von Christian Landenberger,
entstanden unter dem Eindruck der neu aufkommenden Freilichtmalerei.
Sie kam zu Ende des 19. Jahrhunderts aus Frankreich und zog auch in
Deutschland mehr und mehr Künstler in ihren Bann. Die Frische
des Natureindrucks spiegelt sich unmittelbar in dem vor Ort gemalten
Bild in einer lockeren, ganz aus der Farbe gedachten Malerei. Die
nächste Generation der Landenberger-Schüler, wie etwa Wilhelm
Geyer oder Manfred Henninger, hat einen solchen befreiten Umgang mit
der Farbe noch weiter geführt. Mehr und mehr bekommt die Farbe
ein Eigenleben.
Die innere Dynamik der Farbe faszinierte auch Künstler, die dem
Expressionismus nahe stehen wie Paul Kleinschmidt, Wilhelm Laage und
Fritz Steißlinger. Dabei löst sich die Farbpalette zunehmend
vom Diktat der Lokalfarbe. Die Landschaft wird zum Auslöser von
Farbereignissen auf der Leinwand oder der Malpappe in charakteristischen
Farbklängen. Bewegung entsteht nicht selten aus dem Pinselduktus,
etwa bei Laages "Schlehenblüte auf der Schwäbischen
Alb".
Mit zunehmender Entfernung von der Wiedergabe oberflächlicher
Seheindrücke tritt das Farbereignis in den Vordergrund. Die Malerei
von Manfred Henninger, Alexander Bremer, Hans Lang, Gabriele Straub
und Werner Schmal lässt den Betrachter teilhaben an einem persönlichen
Naturerlebnis. Die Wahrnehmung der Vielfalt eines Landschaftspanoramas,
von Wachholderheide oder Blumenwiese, von Licht und Schatten wird,
zunehmend gelöst von den Formen der Gegenstände, in Farbe
übersetzt.
Das Graphische Kabinett versammelt Arbeiten auf Papier von Ludmilla
von Arseniew, Franz Lenk, Edmund Steppes und Karl Spöttl in so
verschiedenen Techniken wie dem Aquarell und der Zeichnung mit farbigen
Kreiden – kammermusikalische Miniaturen, die ein stilles, eindringliches
Studium der Natur verraten mit ihren charakteristischen Felsformen
und Lichtfarben. Ihnen steht die große, vehemente Farbstudie
Alexander Bremers gegenüber, die im Blick von den heimatlichen
Höhen der Alb das Erlebnis dramatischer Lichterscheinungen über
dem ausgebreiteten Land vor Augen führen. |
Christian Landenberger
Donautal bei Gutenstein III
1892
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Manfred Henninger
Blick auf die Kaiserberge (bei Gruibingen)
1980
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Licht, Farbe und Linie – Robert von
der Heide zum 100. Geburtstag
Aquarelle und Radierungen von der Ostalb
Vom 18. Juli bis 17. Oktober
2010
Anfang der 1930er Jahre an den Kunstakademien Stuttgart, München
und Berlin ausgebildet, wurde der junge Bildhauer und Zeichner Robert
von der Heide (1910-1975) 1939 zum Kriegsdienst eingezogen. 1945
kehrte er nach kurzer Kriegsgefangenschaft nach Göppingen zurück,
wo er ab 1946 als freischaffender Künstler lebte. In dieser
Zeit schuf er, beeindruckt von der Landschaftsgraphik von Merian
bis Rembrandt, fast altmeisterlich anmutende Landschaftsradierungen.
Anfang der 1950er Jahre wanderte er mit dem befreundeten Bildhauer
Fritz von Graevenitz über die Ostalb, Aquarellblock und Farben
in der Tasche, zum Malen in der freien Natur. Die expressionistische
Aquarell-Kunst eines Emil Nolde hatten ihn tief beeindruckt –
und er verwandte ihre Sprache für die Alblandschaft seiner
Umgebung. In den 1960er und 1970er Jahren weichen die über
fast unbändiger Farbenergie angelegten Alblandschaften zunehmend
tektonisch zusammengefügten Farb- und Zeichenformen, in denen
Robert von der Heide den abstrakten Qualitäten des Gesehenen
nachspürt, im Eigenleben der zeichnerischen Form ebenso wie
der Farbe als Lichtereignis.
Eröffnungsführung mit Dr. Veronika Mertens in
der Abteilung „Das Landschaftsbild der Schwäbischen Alb“
am 18. Juli 2010, 14.30 Uhr
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Robert von der Heide,
Hohenneuffen
(Anfang der 1950er Jahre)
Aquarell (Privatbesitz)
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