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Christian Landenberger
Badengeh’n und Stillesitzen - Figurenbilder von Christian Landenberger

Bestandsausstellung (ab 15. Juli 2009)

Christian Landenberger (1862-1927) wurde von einem Zeitgenossen scherzhaft als Maler der badenden Knaben und der betenden Mädchen tituliert. Dies bezeichnet zugleich zwei wichtige Phasen in seinem Werk. Die Zeit der Freilichtmalerei beginnt mit Szenen beim Beerenpflücken im Wald oder beim Gänsehüten und findet schließlich ihren Höhepunkt in Szenen am Wasser, wo er ganz besonders das Spiel der Lichtreflexe auf der Haut badender Knaben einfing. Damit wurde er zu einem der wichtigsten Protagonisten der Freilichtmalerei in Deutschland, die schließlich in den sog. ‚Deutschen Impressionismus’ mündete.

In einer zweiten Werkphase lenkte Landenberger seinen Blick auf das Licht des Innenraums. Immer wieder malte er betende Mädchen und Frauen in der Dießener Stiftskirche. Am Ammersee malte Landenberger außerdem immer wieder Bauernmädchen, nicht als repräsentatives Porträt, sondern einfach um des Bildes willen – daher die vielen Bildnisse namenloser Mädchen und junger Frauen, die dem Maler ‚Porträt gesessen’ haben. Im Auftrag des Ebinger Fabrikanten Albert Gussmann porträtierte er dessen Töchterchen Brigitte. Dabei entstand ein Gemälde, das in Haltung und Komposition zeitgenössischen Porträtphotographien aus professionellen Ateliers nicht ferne steht, obwohl es ‚nach dem Leben’ gemalt wurde. Brigitte musste mehrfach in Landenbergers Atelier stillesitzen.

An den Kunstakademien waren es zwar nicht nur, doch bevorzugt weibliche Modelle, die im Aktsaal zum Stillesitzen engagiert wurden. Landenbergers sensibler Umgang mit der Situation des Aktmalens zeigt, mit welch malerischem Können er die private, verletzliche Situation meistert, indem er sich ganz auf seine malerische Aufgabe konzentriert: mit den Farbtönen des gedämpften Innenlichts diese stillen, völlig unprätentiösen Momente des Seins zu erfassen.
Badengeh’n und Stillesitzen hat auch einen sozialgeschichtlichen Hintergrund: In seinen früheren Bildern vor allem der Gutacher Zeit malte Landenberger Mädchen beim Nähen der Aussteuer, später beim Gebet in der Stiftskirche in Dießen am Ammersee.

Das Baden im See war den Knaben vorbehalten. Anders als die revolutionären Brückemaler an den Moritzburger Seen bei Dresden bevorzugte der Christian Landenberger schon aus sittlichen Gründen – fast zeitgleich – Knaben als Modelle. Dies ist nicht zuletzt auch ein Hinweis darauf, dass Landenberger sich zutiefst einem bürgerlichen Rollenverständnis verbunden fühlte. Seine jungen Frauen blicken allenfalls sehnsüchtig übers Wassers. Erst in seinem letzten Lebensjahr entstehen Werke, die etwas von den sozialgeschichtlichen Verschiebungen in den Zwanziger Jahren andeuten mögen.

Auf der Nordseeinsel Sylt entsteht 1926 eine Strandszene mit weiblichen Akten unter freiem Himmel am Strand. Etwa im selben Jahr zeichnet Christian Landenberger eine Skifahrerin – in Hosen.

Christian Landenberger
Beerensucher
1894
 
Christian Landenberger
Badender Knabe mit Schilfrohr
um 1901 - 10
 
Christian Landenberger
Auf der Empore
1912
 
Christian Landenberger
Brigitte Gussmann
1916
 
Christian Landenberger
Vor dem Spiegel
1907

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