Christian Landenberger (1862-1927) wurde von einem
Zeitgenossen scherzhaft als Maler der badenden Knaben und der betenden
Mädchen tituliert. Dies bezeichnet zugleich zwei wichtige Phasen
in seinem Werk. Die Zeit der Freilichtmalerei beginnt mit Szenen
beim Beerenpflücken im Wald oder beim Gänsehüten
und findet schließlich ihren Höhepunkt in Szenen am Wasser,
wo er ganz besonders das Spiel der Lichtreflexe auf der Haut badender
Knaben einfing. Damit wurde er zu einem der wichtigsten Protagonisten
der Freilichtmalerei in Deutschland, die schließlich in den
sog. ‚Deutschen Impressionismus’ mündete.
In einer zweiten Werkphase lenkte Landenberger seinen Blick auf
das Licht des Innenraums. Immer wieder malte er betende Mädchen
und Frauen in der Dießener Stiftskirche. Am Ammersee malte
Landenberger außerdem immer wieder Bauernmädchen, nicht
als repräsentatives Porträt, sondern einfach um des Bildes
willen – daher die vielen Bildnisse namenloser Mädchen
und junger Frauen, die dem Maler ‚Porträt gesessen’
haben. Im Auftrag des Ebinger Fabrikanten Albert Gussmann porträtierte
er dessen Töchterchen Brigitte. Dabei entstand ein Gemälde,
das in Haltung und Komposition zeitgenössischen Porträtphotographien
aus professionellen Ateliers nicht ferne steht, obwohl es ‚nach
dem Leben’ gemalt wurde. Brigitte musste mehrfach in Landenbergers
Atelier stillesitzen.
An den Kunstakademien waren es zwar nicht nur, doch bevorzugt weibliche
Modelle, die im Aktsaal zum Stillesitzen engagiert wurden. Landenbergers
sensibler Umgang mit der Situation des Aktmalens zeigt, mit welch
malerischem Können er die private, verletzliche Situation meistert,
indem er sich ganz auf seine malerische Aufgabe konzentriert: mit
den Farbtönen des gedämpften Innenlichts diese stillen,
völlig unprätentiösen Momente des Seins zu erfassen.
Badengeh’n und Stillesitzen hat auch einen sozialgeschichtlichen
Hintergrund: In seinen früheren Bildern vor allem der Gutacher
Zeit malte Landenberger Mädchen beim Nähen der Aussteuer,
später beim Gebet in der Stiftskirche in Dießen am Ammersee.
Das Baden im See war den Knaben vorbehalten. Anders als die revolutionären
Brückemaler an den Moritzburger Seen bei Dresden bevorzugte
der Christian Landenberger schon aus sittlichen Gründen –
fast zeitgleich – Knaben als Modelle. Dies ist nicht zuletzt
auch ein Hinweis darauf, dass Landenberger sich zutiefst einem bürgerlichen
Rollenverständnis verbunden fühlte. Seine jungen Frauen
blicken allenfalls sehnsüchtig übers Wassers. Erst in
seinem letzten Lebensjahr entstehen Werke, die etwas von den sozialgeschichtlichen
Verschiebungen in den Zwanziger Jahren andeuten mögen.
Auf der Nordseeinsel Sylt entsteht 1926 eine Strandszene mit weiblichen
Akten unter freiem Himmel am Strand. Etwa im selben Jahr zeichnet
Christian Landenberger eine Skifahrerin – in Hosen. |
Christian Landenberger
Beerensucher
1894
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